Die Furcht der Anrainer vor der Moschee


Die Furcht der Anrainer vor der Moschee
Die Furcht der Anrainer vor der Moschee
Artikel vom 11.06.2010 20:27 | KURIER | Martin Gantner, Barbara Mader
Wenn türkische Kulturvereine Häuser kaufen, befürchten Bürgerinitiativen eine schleichende Islamisierung. Die Debatte droht zu entgleisen.

Kellner tragen Teller mit Wurstsalat und Cevapcici durch den schwülen Saal. Weniger als hundert Gäste sind Donnerstagabend der Einladung der Bürgerinitiative Dammstraße zum Infoabend in den "Brigittenauer Stadl" gefolgt.
Auf der silbern geschmückten Bühne referiert ein deutscher Experte. Thomas Tartsch, Publizist aus Datteln, spricht über "die Rolle und Funktion des türkischen Staatsislams": "Wir müssen kucken, welcher Islam da in den Kulturvereinen gelehrt wird."

Dabei hatte der Abend so spannend begonnen. Dutzende Polizisten bewachten das urige Bierlokal, um einer Handvoll Demonstranten den Eintritt zu verwehren. Die sozialistische Linkspartei protestierte gegen die "christlich-fundamentalistische und anti-islamische Propaganda" vor dem Beisl. "Sie können mich gerne klagen", rief Links-Aktivistin Sonja Grusch in Richtung Bürgerinitiativen (BI)-Sprecherin Hannelore Schuster.

Frau Schuster kämpft trotzdem gegen "das Unbekannte hinter den Mauern der türkischen Kulturzentren." Donnerstag an ihrer Seite: Hans-Jörg Schimanek, Ex-FPÖ-, später BZÖ-, nun parteifreier Floridsdorfer Bezirksmandatar; FPÖ-Gemeinderat David Lasar und Präsidentschaftskandidat Rudolf Gehring von den "Christen".

Hannelore Schuster ist das Gesicht der Anti-"Moscheen"-Bewegung. Seit vier Jahren macht sie gegen den Ausbau des Atib-Veranstaltungszentrums in der Brigittenauer Dammstraße, fälschlicherweise als Moschee bezeichnet, mobil. Im März dieses Jahres formierte sich eine ähnliche Bewegung in der Rappgasse im 21. Bezirk. Für nächsten Freitag kündigen beide Initiativen eine Demo vor der Floridsdorfer Bezirksvorstehung an.

Manche fürchten, die Demo könnte enden wie jene im Mai 2009. Damals hielt FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf einer Bühne hinter dem Rathaus ein Kreuz in die Kameras und beschwor ein Abendland in Christenhand. Die FPÖ hatte Schusters Initiative tatkräftig und finanziell unterstützt.

Heute tritt das Team der streitlustigen Seniorin geeinter auf denn je. Schuster schloss sich mit Bürgern in der Rappgasse und der Favoritner Troststraße kurz. Zwei weitere Initiativen sind im 11. und 12. Bezirk geplant. In der Donaustadt macht FPÖ-Gemeinderat Toni Mahdalik gegen einen Gebetsraum mobil.

Männerverein
Die Sorgen sind überall dieselben: Die Leute fürchten "Parallelstrukturen" und "Männervereine", die "mit Integration nichts zu tun haben". Vor allem aber sind sie erbost, weil "die SPÖ" ihnen nicht zuhört. Sie fordern die Umsiedelung der Vereine.

"Wir werden nicht von der FPÖ instrumentalisiert. Aber den anderen Parteien ist das Thema offensichtlich zu heiß", sagt Hannelore Schuster. Ein Vorwurf, den die roten Chefs vom 20. und 21. Bezirk, Hannes Derfler und Heinz Lehner, nicht gelten lassen. "Ich nehme die Sorgen ernst", sagt Derfler. "Wir haben zugehört. Doch die Bürgerinitiative ist nicht kompromissbereit." Selbst wenn Derfler die Forderungen erfüllen wollte, er könnte es nicht. "Der Verein hat das Gebäude rechtmäßig erworben." Antworten, die die FPÖ den Bürgern gibt, können die Bezirksvorsteher nicht geben. "Es geht jetzt nicht mehr um Information", sagt Lehner, "sondern um geschürte Emotionen. Vermitteln ist da schwer."

"Eine nüchterne Diskussion über die Rolle von Kulturvereinen wie Atib ist in einem so aufgeheizten Umfeld kaum möglich", sagt Bildungswissenschaftler Ednan Aslan. "Wir müssen sie trotzdem führen."

http://kurier.at/nachrichten/wien/2008169.php

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