"Imame in Österreich ausbilden"


Das Kulturzentrum, das der türkische Verein ATIB in Bad Vöslau errichtet hat.
Artikel vom 11.06.2010 16:05 | KURIER |

Müssen Imame Deutsch sprechen können? Zwei Wissenschaftler nehmen zum Thema Ausbildung der Prediger Stellung.  

Wir müssen die Sorgen der Menschen ernst nehmen", sagen zwei, die kaum im Verdacht stehen, Sympathien für die FPÖ zu hegen: Bildungswissenschaftler Ednan Aslan (Uni Wien) und Politikwissenschaftler Cengiz Günay vom Österreichischen Institut für internationale Politik. "Integrationspolitik ist in Österreich leider keine sachpolitische, sondern eine Prinzipienfrage", sagt Günay. Diskussionen wie jene über den Verein Atib würden selten sachlich geführt.

Atib ist jener Verein, der hinter den umstrittenen Einrichtungen in der Dammstraße und der Rappgasse steht. Er ist nach eigenen Aussagen der größte muslimische Verband Österreichs und zählt 75.000 Mitglieder, 60 Gebetsstätten. Der Verein untersteht Diyanet, dem türkischen Präsidium für religiöse Angelegenheiten. Die Imame, die zu den Gläubigen sprechen, stammen meist aus der Türkei und kommen nur für wenige Jahre nach Österreich. Ankara gibt die Predigten vor. Das Außenministerium bietet deshalb "Österreich"-Crashkurse an.

Problem
"Atib ist ein demokratischer und säkularer Verein", sagt Aslan. "Die Imame sind zwar ausgebildet, haben aber von österreichischen Gegebenheiten wenig Ahnung. Das ist ein Problem." Geht es nach Aslan, dann sollten Imame in Österreich ausgebildet werden. "Wenn wir einen Islam europäischer Prägung wollen, müssen wir das als Gesellschaft selbst leisten."

Atib-Sprecher Nihat Koca selbstkritisch: "Wir haben Defizite. Das gestehe ich ein." Auch Koca glaubt, dass die Imame Deutsch sprechen und Kenntnisse über Österreich haben müssen. "Die Bereitschaft ist da, etwas zu tun."

http://kurier.at/nachrichten/wien/2008191.php

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